Die Careware-Idee


Paul Lutus aus Port Hadlock (Washington) stellt den Web-Editor "Arachnophilia" als CareWare zur Verfügung. Er stellt seine CareWare-Idee folgendermaßen dar:

Bei CareWare bekommt der Käufer etwas von Wert im Austausch mit etwas, was der Verkäufer möchte. Und was möchte der Verkäufer? Die allgemeine Antwort ist "Irgendwas, mit Ausnahme von Geld". Aber ich bevorzuge bemerkenswerte Geschäfte, an die du dich instinktiv erinnerst, wenn du sie siehst.

Hier ist ein Beispiel: Nehmen wir an, zwischen dir und mir besteht eine Geschäftsbeziehung. Ich habe ein Programm, das Arachnophilia heißt, ein ziemlich netter Web-Editor. Aber ich will nicht dein Geld im Austausch dafür. Ich will etwas anderes. So sage ich: "Hier ist, was ich anbiete, und da ist, was ich als Gegenleistung haben möchte". Einfach, oder? Ich mache das schon einige Zeit und die Reaktionen waren sehr interessant.

Viele Menschen glauben, ich habe religiöse Beweggründe, was nicht der Fall ist. Andere versuchen, aus dem einen oder anderen Grund das Geschäft in eine eher übliche Richtung zu bringen. Neulich bekam ich folgende Nachricht: "Was, CareWare? Ein geringer Preis für so ein großartiges Software-Paket. Meine Füllfeder zittert über meinem Scheckbuch, im Fall, dass du deine Meinung änderst." Diese Antwort kann aus unterschiedlichen Gründen entstehen. Das Verhandeln um das Medium und das Ausmaß der Bezahlung ist normaler Teil eines Geschäftsabschlusses. Dennoch hat mich etwas an dieser speziellen Korrespondenz gestört. CareWare bedeutet keinesfalls, dass dafür ein geringer Preis zu bezahlen ist.

 
Hier ist ein Beispiel einer Bezahlung, die ich für eine Kopie von Arachnophilia annehme:

Um Arachnophilia zu besitzen, lade ich dich ein, dass du zumindest für eine Zeit aufhörst, darüber zu jammern, wie schwer dein Leben ist. Worüber Amerikaner jammern, lacht fast jeder auf der Welt. Wir haben so viel und dennoch schaffen wir es

Ständig jammern wir darüber, wie schwer wir es haben, und erkennen nicht, wie lächerlich wir uns damit zeigen. Wir erschweren es den Menschen um uns herum, dafür dankbar zu sein, wie viel wir haben. Wir bestärken die Menschen darin, zu übersehen, was wir haben, die Geschenke der Menschen und der Natur. Wir weisen alles als nicht gut genug ab, um mitten im Überfluss unglücklich zu sein.

Bekomm' jetzt keinen falschen Eindruck. Viele Dinge sind ungerecht, gegen die wir uns wehren sollten, bis sie richtig sind. Ich beschwere mich über Menschen, die nichts finden können, woran sie sich erfreuen und wofür sie dankbar sind. Diese Menschen machen nicht nur sich selbst unglücklich, sie stecken auch andere mit der Einstellung an, dass sich die Welt von selbst in Ordnung bringen soll, bevor sie selbst an irgendetwas Freude empfinden.

So ist mein Abkommen: Hör' auf zu jammern – für eine Stunde, einen Tag, eine Woche – du triffst die Wahl. Damit verdienst du deine Kopie von Arachnophilia. Sprich aufmunternde Worte zu jungen Menschen. Sorge dafür, dass sie sich auf dem Planeten Erde willkommen fühlen (viele tun das nicht). Zeige beispielhaft, dass wir nicht alles brauchen, was wir haben, um glücklich und produktiv zu sein.

Wenn dir diese Idee nicht gefällt, beachte sie nicht. Du kannst Arachnophilia auf jeden Fall haben. Das ist der Unterschied zwischen der Welt der Ideen und dem Rest der menschlichen Geschichte. Du kannst eine Idee missachten und keiner wird um Mitternacht an deine Tür klopfen.

Übersetzung von Gerhard Klafböck

Arachnophilia